Momentan konkurrieren Insta360 und DJI um den Markt der Action- und Panorama-Kameras. GoPro bringt zwar etwa mit der Mission 1 Pro ILS eine interessante Lösung mit Wechselobjektiv, scheint aber abgeschlagen. Wir schauten uns die X6 als Spitzenreiter von Insta360 genauer an.
Unser Tester Manfred Zentsch (www.werbefotografie.de) erstellt für Weltfirmen Flug- und Panoramafilme. Entsprechend hoch sind seine Ansprüche: Sein Wunschmodell ist so flach, dass die beiden Halbkugelaufnahmen einen nahtlos sphärischen Rundblick ergeben. Aus demselben Grund benötigt er zwei mal 8K der beiden Kameras, um mit 16K maximalen Spielraum beim Stitchen zu haben. Die schlanke Form brächte eventuell auch einen Vorteil bei der Wärmeableitung. Daher hatte das Spitzenprodukt X6 einen schweren Stand.
Trotz seines kritischen Blicks war Zentsch positiv überrascht: Der Sensor ragt mit einer Diagonalen von 1/1,1 aus der Masse heraus, was eine gute Lichtausbeute versprach und hielt. Zusammen mit der KI-Funktion "PureRaw" (8K mit 30 fps) bemerkte Zentsch deutlich weniger Artefakte und dafür mehr Details als ansonsten bei Dämmerung üblich.
Zudem griffen bei Dämmerung zwei weitere Helfer: ein Low-Light-Modus mit zwei Umgebungslichtsensoren, die Flackern reduzieren, AdaptiveTone 2.0 für Aufnahmen mit erweiterten Tonwerten, das zwei Belichtungen zu einem Bild verschmilzt.
Die Neuheit soll alle Bilddaten zügig verarbeiten. Dafür stehen ein 8-Kern-Prozessor mit 3,3 GHz und winzigen (vier Nanometer) und daher rasend schnellen Transistoren bereit. Dazu kommen zwei eigene Bildverarbeitungs-Chips.
Die Sicherung der Daten im internen Speicher war bei einer Videorate von 240 Mbit/s flüssig. Ein Nadelöhr könnte die Speicherung auf Karten sein. Die X6 produzierte im direkten Vergleich mit einem aktuellen iPhone bei einer 45-Grad-Ansicht Ergebnisse, die weniger Artefakte aufwiesen und bezüglich Raumwirkung mit einer glatteren Darstellung gefielen.
Die X6 bietet für Farbkorrektoren viel Spielraum. Der I-Log-Modus bewahrt einen reichen Dynamikumfang in den Lichtern und Schatten. Anschließend kann man das Material dank einer Farbtiefe von 10-Bit farblich vielseitig anpassen. Das ist für Zentsch wesentlich, da er Reframing gewöhnlich am Desktop-Monitor durchführt.
Die leistungsfähigen Prozessoren konnten Effekte wie Bullet Time auch direkt in der Kamera durchführen. Noch interessanter für Berufsfotografen ist die Funktion Spatial Capture. Sie verwandelt 360-Grad-Videoaufnahmen in interaktive, navigierbare 3D-Modelle. Diese sind beliebt um etwa als Makler, Hotelier oder Architekt das Hausinnere zu präsentieren.
Hierfür genügt ein Video ab 30 Sekunden. Dieses sendet man direkt aus der Insta360-App zur Verarbeitung in die Cloud. Hierbei fiel uns allerdings die lange Verarbeitungsgeschwindigkeit auf, die locker mehr als eine Stunde dauern kann. Die Cloud-Algorithmen rekonstruieren die Bild- und Tiefendaten, sodass man den Raum virtuell aus jedem beliebigen Winkel betrachten und durchlaufen kann.
Internet: www.insta360.com