Rekordverdächtiger Zuschlag bei Wetzlar Camera Auctions
Leica 0-Serie für 4,25 Millionen Euro versteigert
Bei der Versteigerung am 10. Oktober 2026 erlebte die Wetzlar Camera Auctions (WCA) ein historisches Highlight. Nach einem gut zwanzigminütigen Gefecht am Telefon schlug der Hammer für ein extrem rares Exemplar der Leica 0-Serie aus dem Jahr 1923 erst bei 4.250.000 Euro ein – mehr als das Doppelte des erwarteten Höchstwerts von 2 Millionen Euro.
Die verkaufte Kamera trägt die Seriennummer 103. Da die Nummerierung historisch bei 101 begann, handelt es sich um das insgesamt dritte gebaute Exemplar. Die Vorserienmodelle der 0-Serie nutzte der Erfinder Oskar Barnack einst, um die Praxistauglichkeit des Kleinbildformats zu testen, bevor die Serienfertigung beschlossen wurde. Von den seinerzeit gebauten Versuchsmodellen existieren weltweit heute nur noch 16 bekannte Stücke. Dieses Exemplar verbrachte mehr als ein halbes Jahrhundert in einer US-amerikanischen Privatsammlung und überzeugte durch seinen nahezu makellosen Originalzustand.
Auktionshaus-Mitinhaber Lars Netopil bezeichnete die 0-Serie als den unangefochtenen „Heiligen Gral“ unter den Sammlerstücken.
Seltene Entwicklungsstufen und Prototypen hoch im Kurs
Neben dem Rekord-Los bot die Versteigerung mit ihren insgesamt 259 Positionen reichlich Zündstoff für passionierte Sammler:
- Handgefertigter Leica A Prototyp (1924): Ein direkter Zeuge der Entwicklung zwischen der 0-Serie und den Serienmodellen brachte 225.000 Euro ein. Er diente einst als Vorlage für technische Zeichnungen von Barnacks Mitarbeiter Wilhelm Schaefer.
- Leica I Modell C „Luxus“ (1931): Von den vergoldeten Varianten entstanden damals unter 100 Stück; die spezifische Ausführung des C-Modells gab es sogar nur zweimal. Zuschlag: 375.000 Euro.
- Quadratisches Versuchsmodell (1946–1948): Ein unlängst aufgetauchter Leitz-Prototyp für das Aufnahmeformat 24 × 24 mm mit Zentralverschluss wechselte für 137.500 Euro den Besitzer.
- Leica M4 Prototyp (1965): Ein aus lediglich zwei bekannten Exemplaren stammendes Versuchsmodell mit teils manuell gefertigten Teilen schlug ebenfalls mit 375.000 Euro zu Buche.
Begehrte Klassiker im schwarzen Kleid
Auch klassische Sucherkameras im eleganten schwarzen Lack blieben extrem gefragt. Eine seltene Leica MP von 1956, die speziell für den Profieinsatz konzipiert und nur in einer Stückzahl von unter 140 Einheiten produziert wurde, erzielte 325.000 Euro. Eine frühe Leica M3 in schwarzer Ausführung inklusive schwarzem Zählwerk erlöste 187.500 Euro. Dass auch jüngere Objekte gesucht sind, bewies ein blau-graues Musterstück einer modernen Leica MP aus dem Jahr 2015 für 40.000 Euro.
Raumfahrt-Fototechnik und Rekord-Weitwinkel
Während Leica-Kameras im Mittelpunkt der Wetzlar Camera Auction standen, wurde auch Ausrüstung anderer Hersteller angeboten. Mitinhaber Jo Geier hob etwa hervor, dass neben Fotozubehör aus NASA-Projekten, das seit Jahren bricht, nun auch die Fototechnik aus dem sowjetischen Raumfahrtprogramm in den Fokus rückt:
- Arsenal-Salyut-1V Set (1968): Das seltene Set für die sowjetische Raumfahrt – inklusive drei Objektiven und Originalpapieren – wechselte für 75.000 Euro den Eigentümer.
- Nikon Fish-Eye Nikkor 6,2 mm f/5,6 (1970): Ein extrem seltene Objektiv-Prototyp mit einem gewaltigen Bildwinkel von 220 Grad erlöste ebenfalls 75.000 Euro.
Vorschau auf das Auktionsjahr 2027
Wer selbst wertvolle Schätze oder seltene Sammlerstücke veräußern möchte, kann sich bereits vormerken: Die 9. Ausgabe der Wetzlar Camera Auctions ist für den 9. Oktober 2027 angesetzt; passende Einlieferungen werden ab sofort entgegengenommen.